Ich hatte ca. 1 Jahr lang, gleich nachdem ich meinen Führerschein
gemacht hatte (nach div. Mofa-, Mockick- usw. Erfahrungen) eine CB250 -
sie war weiß und keine Freude. Im nächsten Frühjahr
erstand ich (m)eine gebrauchte SR500 - vieles von ihr fahre ich immer
noch.
Sie war dunkelrotmetalic (uff) und hatte Alufelgen: Ich hab' sofort
angefangen, sie umzubauen. Das muss 1986 gewesen sein.
1990 bin ich für 1 Jahr in die USA aufgebrochen. Ich habe meine SR
in eine Kiste gepackt, in New York im Hafen alles wieder zusammen
gebaut, und bin quer durch die Staaten nach Oregon gefahren, wo ich in
Eugene an der Uni arbeiten konnte. Von dort bin ich kreuz und quer
durch Nordamerika gereist und war glücklich, damals schon meinen
großen Tank gehabt zu haben: "next gas station 186 miles"
hätte ich mit dem Originaleimerchen nicht geschafft. Auf dem Campus in Eugene, 1991
Irgendwann ist an der Zylinderbefestigung am Öltank ein
Haarriß entstanden - ich hab einen findigen Schweißer
gefunden, der großzügig einen Flicken drübergebraten
hat und fuhr fortan ohne obere Motorhalterung: Damit war klar, dass der
Rahmen nicht wieder mit ins diesbezüglich doch deutlich
engstirnigere Deutschland kommen konnte...
Vor New York lernte ich ein paar Harley-Freaks kennen, die Interesse an
meinen Ochsenaugen hatten, und mir dafür im Tausch den Rahmen und
Getriebeblock entsorgten. Meinen Tank, Zylinder, Schutzbleche,
Gepäckträger, Sitzbank, getunten Zylinder (letzteren im
Handgepäck, der Rest überschritt schon das zulässige
Gewicht) und ein wenig Kleinkram nahm ich in Seesäcken mit
zurück.
Der Zylinder im Rucksack sorgte in Heathrow für etwas Ruhe: Blitzschnell war die Halle leer und ein etwas verzweifelt dreinschauender Zollbeamter bat mich, den Rucksack auszupacken...
Ich kaufte eine gebrauchte SR und begann von neuem, heute, 40 Jahre
später, liebe ich sie immer noch genauso.
Motor
Im Motor werkt ein Wiseco-Kolben
in "irgendeiner" Übergröße mit gehobenem Kolbenboden.
Es ist eine Wunderlich-Nockenwelle verbaut und eine Doppelzündung,
d.h. es gibt eine zweite Zündkerze. Seit einem meiner ersten
Umbauten ist eine Doppelschmierung für die Kipphebelwellen
eingebaut. Statt des OT-Schauglases ist ein XT-Deckel eingesetzt, und
die Drehzahlmesserwelle liegt schon viele Jahre bei "was ich schon
immer mal verschenken wollte". Mein einwandiger Krümmer war auch
schon in USA, aber das daran anschließende offene Rohr musste mehrfach anderen Varianten weichen, der war schlicht zu laut - deswegen musste ich tatsächlich in den Court, also in ein öffentliches Gerichtsverfahren, bei dem sich die Polizistin, die als Zeugin geladen war, bitterlich beschwert hat, dass ich immer noch viel zu laut umher führe; Ich wurde allerdings freigesprochen: Aktuell fahre ich einen wirklich
tollen Topf von Wulf
Peppmöller aus Edelstahl im klassischen SR-Look mit vergrößertem
Duchlass, der mit meinem offenen Luftfilter und dem Mikuni TM 36-31
prima harmoniert.
Ich hatte lange Zeit Temperatur-Probleme, nachdem ich als erstes den
flotten Kolben, Nockenwelle, Kümmer und Auspuff (damals das
erwähnte Rohr in Variationen) umgebaut hatte. Ich habe dann eine
Ölkühlung eingebaut und die zweite Zündkerze in den Kopf einsetzen lassen, aber erst mit dem Vergaser, der sich extrem genau einstellen lässt, habe ich die Probleme in
den Griff bekommen, so dass ich jetzt durchaus mal ein Stündchen
auf der Autobahn mit 160 km/h lt. GPS unterwegs sein kann (auch wenn
ich dann Muskelkater krieg' ;-) )...
Fahrwerk
Ich hab' vom Schrott die Doppelscheibe (und Bremsgriff) einer XJ650
verbaut, dazu Stahlflex-Leitungen, hinten Bilstein-Dämpfer,
außerdem die Hinterachs-Schwinge neu gelagert, ansonsten ist das
Fahrwerk unverändert.
Rahmen etc.
Der Rahmen ist nur wenig modifiziert. Die Brücke über dem
Hinterrad wurde entfernt, die Anbauteile für den Luftfilterkasten
und Batteriehalter waren überflüssig.
Lampe und Lampenhalter sind original - allerdings nicht zu meiner
Maschine (ich vergeß' immer, welches BJ was ist, jedenfalls ist
dies die größere Bauform). Gleiches gilt für den
Lenker. Die Griffe mit Lederbezug sind auch seit der Jahrhundertwende dran, und immer noch krabbelt das Leder aus den Chrom-Manschettem. Die Lenkerend-Spiegel sind praktisch, aber die Kiste wird damit echt sehr breit.
Der Tank ist von Wunderlich und fasst gut 22 Liter. Die Sitze und der
Gepäckträger (auf den der Beifahrersitz eingeklickt werden
kann) sind eine Eigenkonstruktion. Ja, die Sitze sind etwas spartanisch, die erste Fassung war'n Brett. Auf
der handgeschweißten Stahlschale liegt je ein Schaumstoffkern,
über den verschiedene Schichten Baumwolle gezogen sind. Die
oberste Schicht ist Leder, darunter eine Folie als Feuchtigkeitssperre.
Ich hab' Ösen eingenietet und das Leder mit einem sehr weichen
Draht durch feine Löcher in der Stahlschale aufgezogen.
Den Gepäck- und Schutzblechträger und die Kofferträger
habe ich mal aus Edelstahl schweißen lassen (ich hab's als
Prototyp in Kupfer gelötet, weil ich keine entsprechenden
Gerätschaften hatte und der Stahlbauer hat's einen Lehrling als
Gesellenarbeit machen lassen, begleitet mich schon über 30 Jahre).
Das hintere Schutzblech aus Edelstahl habe ich irgendwo im Versand
erstanden. Den Lampen- und Backblechhalter hinten habe ich aus
Edelstahl gefaltet und mit der original Gummilagerung befestigt. Die
hintere Lampe war damals die kleinste mit ABE, das würde ich heute schöner bauen.
Die Koffer sind interessanterweise original-Yamaha, sehr schlicht, und
nicht so furchtbar voluminös, die vorherigen Plastikpötte
mussten wegen des Gepäcklimits in USA bleiben.
Elektrik
Durch die Ochsenaugen und den Wunsch, das Cockpit zu verschlanken,
ergab sich recht früh der Bedarf nach einer Erneuerung der
Elektrik.
Inzwischen sind alle motornahen Kompnenten unter dem Sitz untergebracht
und der Rest in der Lampe. Hinten befinden sich nur noch Bremslicht,
Fahrlicht/Standlicht und Nummernschildbeleuchtung (= 3 Kabel). Unter
dem Sitz sind der Gleichrichter, die CDI-Einheit und das
Zündschloß auf einem Edelstahlträger untergebracht, der Akku steht auf der Schwinge.
Alle Anschlüsse werden oberhalb in einer Steckerleiste zusammen
gefasst: hier kommen von "vorn" die Schalter (und die
Lichtmaschine/Zündung/-geber) an und werden in die Einheiten
verteilt. Der Kabelbaum vorn enthält also nur noch: Masse,
Gebrauchsstrom (nach Zündschalter), Standlicht, Bremslichtschalter
(von vorn). Killschalter und Lichtschalter sind mangels Sinn entfallen.
Die Zündung ist eine VAPE, die leider eine Batterie benötigt (bei mir LiFePo4), also einen entsprechenden Regler.
Im Scheinwerfer werden die Leitungen verteilt. Hier befindet sich das
elektronische Blinkerrelais und ein USB-Trafo (für's
Navi), außerdem die Verschaltung für's Fernlicht, Standlicht, Hupe etc.
Als Tachometer ist ein GPS-Tacho verbaut, dessen Edelstahlhülle eine alte Dunstabzugshaube ist.